CSR in Österreich – erstmals sind repräsentative Aussagen möglich
Die umfangreiche NeSoVe-Studie wurde vom Land Steiermark, vom Sozial- und Wirtschaftsministerium finanziell unterstützt. Die Daten wurden im Herbst 2008 erhoben, also noch vor der wirtschaftlichen Rezession. Die Studie zum Thema CSR wurde unter 600 Unternehmen mit Sitz in Österreich durchgeführt und erlaubt erstmals repräsentative Aussagen über Motive, Maßnahmen, Unterstützungsbedarf und die Einstellung zur verbindlichen Regelung von Bereichen der Corporate Social Responsibility. Es gibt einen eklatanten Unterschied in der Wahrnehmung von CSR zwischen den öffentlich als ‚CSR-Leader‘ wahrgenommenen Unternehmen und dem Bundesdurchschnitt österreichischer Betriebe. Nur etwa ein Drittel der landesweiten Unternehmen hat überhaupt je von CSR gehört. Insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben (KMUs) ist die CSR-Diskussion noch nicht verbreitet angekommen.
Verantwortung gegenüber MitarbeiterInnen häufigstes Motiv für CSR
Betriebe, die CSR wahrnehmen, setzen freiwillige Maßnahmen vorwiegend in Bereichen, die bereits eine hohe Regelungsdichte aufweisen und dort, wo sie einen unmittelbaren – meist ökonomischen – Nutzen für das Unternehmen bringen, beispielsweise durch die Einsparung von Energie und Ressourcen oder durch Recycling. Die Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen gilt als das häufigste Motiv für CSR, im Bereich Gesundheit und Sicherheit oder auch zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Business-case – eine win-win Situation in Österreich?
Der Aussage, ‚wenn Unternehmen mit ihrem sozialen und ökologischen Engagement werben, sollen diese Angaben überprüft werden können‘ und auch die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien im öffentlichen Beschaffungs-, Vergabe- und Förderwesen fanden überraschend hohe Zustimmung von jeweils über 80% der Befragten. Darüber hinaus sprachen sich jeweils rund drei Viertel der befragten UnternehmensvertreterInnen für die Schaffung international verbindlicher sozialer und ökologischer Mindeststandards sowie – angesichts des aktuellen Shell-Prozess besonders interessant – für eine einklagbare Rechenschaft von Unternehmen für ihre gesamte Wertschöpfungskette aus. Die Schaffung eines CSR-Gütesiegels befürworteten mehr als 70% der Befragten. Dieses eindeutige Votum für klare und verbindliche Regelungen im Bereich ser CSR wäre jedenfalls ein starkes Argument für die österreichische Politik, sich für nationale und internationale Standards stark zu machen. Aber auch dafür, innerhalb Österreichs durch Reformen im Förder- und Vergabewesen, sowie in der Wettbewerbs- und KonsumentInnenpolitik aktiv zu werden. Die Studie zeigt darüber hinaus Grenzen eines ‚business-case‘-Ansatzes, der mit ‚win-win‘-Situationen verantwortlichen Wirtschaftens wirbt, ohne dass dafür geeignete politische Rahmenbedingungen vorhanden wären. Notwendig wären Rahmenbedingungen, die Handlungsspielräume schaffen, innerhalb derer gesellschaftliche Erwartungen und individuelle Werthaltungen allgemein realisiert werden könnten. Wenn aber fast 50% der Unternehmen überzeugt sind, dass fehlender Nutzen bei zu hohen Kosten ein Hindernis für eine stärkere Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung darstellt und wenn ein Drittel der CSR-Leader ‚eine geringe Nachfrage bzw. mangelndes Kundenbewußtsein‘ als Hindernis nennen, so sind dies Indizien dafür, dass CSR als business-case noch wenig entwickelt ist und daher politischer Handlungsbedarf besteht.
Mögliche Maßnahmen zwischen staatlicher Regulierung und der Freiwilligkeit sozialer unternehmensverantwortung
Die Studie kommt zu dem Schluß, dass ein verstärktes Beratungsangebot, insbesondere für KMUs, sinnvoll und notwendig wäre, da die wenigen bestehenden Angebote zu wenig bekannt sind oder aus finanziellen Gründen schlichtweg nicht in Anspruch genommen werden. Insbesondere die Entwicklung eines CSR-Gütesiegels und die Ausrichtung des öffentlichen Vergabewesens nach CSR-Kriterien wird von österreichischen Unternehmen gewünscht. Von öffentlichen EntscheidungsträgerInnen und der österreichischen Politik wird insgesamt eine deutliche Positionierung v. a. im Förder- und Vergabewesen sowie in der Wettbewerbs- und KonsumentInnenpolitik gefordert. Nicht zuletzt, um Österreich international als verantwortungsbewussten und vertrauenswürdigen Wirtschaftsstandort zu positionieren: Über 90% der Unternehmen mit internationalem Absatz erwarten sich dadurch einen langfristigen Wettbewerbsvorteil.

